Familie & Partnerschaft

„Nur noch mit dir!“ – Konkurrenz unter Eltern

Eifersucht der Eltern Foto: © Kitty - Fotolia.com Eifersucht der Eltern

Männer übernehmen heute mehr Erziehungsaufgaben, sind emotional stärker mit ihren Kindern verbunden als noch die Generation vor ihnen. Das führt zu stärkerer Konkurrenz der Eltern untereinander. In der Pubertät bricht die Eifersucht unter Eltern besonders stark auf.

Schwimmen oder Shoppen?

Martin ist sauer. Auf seine Frau Mareijke. Denn eigentlich wollte er mit Tochter Svenja an diesem Samstag ins Schwimmbad gehen. Das hatten sie schon vor Wochen geplant. Aber Mareijke hat gerade beim Abendessen und ganz selbstverständlich diesen Plan über den Haufen geworfen und sich mit Svenja zum Shoppen verabredet. Und die war richtig froh darüber.

Kein Wunder, dass sich Max gekränkt und zurückgesetzt fühlt. Aber die Eifersucht unter den Eltern speist sich nicht nur aus dieser einen Situation. „Früher waren Svenja und ich ein Herz und eine Seele“, sagt er. „Ich habe extra über mehrere Jahre meine Arbeitszeit reduziert, damit ich mehr mit ihr unternehmen kann.“ Und das taten sie auch: Vor allem an den Wochenenden gingen sie in den Wald, ins Schwimmbad oder Kanufahren. Svenja war ein richtiges Papa-Kind.

Eifersucht der Eltern untereinander

Doch seit Svenja 13 ist, hat sich das komplett geändert. „Ich bin völlig abgemeldet“, meint Max frustriert. „Nur noch Mareijke zählt. Nur noch mit ihr will sie etwas unternehmen, und die steigt auch noch voll darauf ein.“ Max hat Angst, die Liebe seiner Tochter zu verlieren. Und reagiert eifersüchtig, aber „Eifersucht ist kein Beweis für Liebe, sondern Ausdruck der Angst, die Liebe des anderen zu verlieren“, so der Psychotherapeut Dr. Rolf Merkle.

Das Gute daran: Es ist viel Liebe im Spiel. Um diese Liebe zur Tochter hat sich die Familie gruppiert. Sie war und ist das Wesentliche im Leben des Paares. Über Jahre hat sich eine unausgesprochene Regelung herausgebildet, wer wann zuständig ist und wofür. Das war für Max ein wesentlicher Punkt seines Selbstverständnisses und hat sein Selbstwertgefühl bestärkt. Er sagt ganz deutlich: „Das Wichtigste in meinem Leben ist meine Tochter. Ich will alles tun, dass es ihr gut geht.“

Weitere Informationen

Buchtipp:
Dr. Rolf Merkle:
So gewinnen sie mehr Selbstvertrauen.
PAL 2001, 144 Seiten, ISBN-13:978-3923614349, 12,80 Euro

Selbsttest zur Eifersucht:
www.selbstbewusstsein-staerken.net/eifersucht-test/

Selbstzweifel und Zuwendung

Mit der Pubertät hat Svenja andere Interessen herausgebildet. Die kann sie besser mit ihrer Mutter umsetzen. Mareijke sieht da die Chance, ihrer Tochter näher zu kommen und eine stärkere Rolle in ihrer Welt zu spielen: „Früher war sie ja eher ein Papa-Kind, mit Auf-Bäume-Klettern und so. Jetzt wird sie mehr Mädchen und steht mir viel näher.“ Konkurrenz unter den Eltern entsteht.

Bei Max nähert das die Selbstzweifel: „Bin ich nicht mehr gut genug? Will sie jetzt gar nichts mehr mit mir zu tun haben?“ Dabei ist sein Neid auf seine Frau ständig gewachsen: „Es fühlt sich an, als hätte ich etwas verloren. Als hätte Mareijke jetzt etwas, was ich vorher hatte.“

Natürlich hat er Svenjas Liebe nicht verloren. Und natürlich hat sich Mareijke nicht dazwischen gedrängt, auch wenn es sich für Max so anfühlt. Allerdings ist es wichtig, dass sich das Paar abspricht und sich an Vereinbarungen hält. Sonst bekommt das  Gefühl, weniger Wert zu sein, immer neue Nahrung. „Nur wer sich für liebenswert hält, hat keine Angst vor dem Vergleich mit anderen und hat keine Angst, nicht zu genügen“, so Psychotherapeut Merkle.

Den Selbstwert stärken

Die klassische Eifersuchts-Therapie besteht darin, das Selbstwertgefühl zu stärken. Das scheint bei Max bitter nötig zu sein. Und er muss lernen, seinen Selbstwert aus anderen Quellen zu speisen, nicht aus seinen Unternehmungen mit der Tochter. Etwas anderes muss an dieser Stelle mehr Gewicht bekommen, sei es die Beziehung zu seiner Frau, die Arbeit, Freunde oder Hobbys.

Allerdings wäre es falsch, Max zum alleinigen Symptomträger zu machen. Denn die kleine Familie muss sich insgesamt umorientieren, schließlich wird Svenja selbstständiger, wird bald mehr allein oder mit Freundinnen und Freunden unternehmen wollen und in absehbarer Zeit das Haus verlassen. Damit sind sie nicht allein. Viele Familien gruppieren sich heute um das Kind, weniger um das Elternpaar oder gar um Haus und Hof. Wenn das Kind in der Pubertät selbstständiger wird, müssen sie sich ein anderes Zentrum suchen, ihre Beziehungen neu ordnen.

„Eifersucht ist die Angst vor dem Vergleich“, hat der berühmte Schweizer Schriftsteller Max Frisch gesagt. Aus dieser Vergleichsfalle müssen Max und Mareijke herauskommen. Denn darum geht es nicht. Svenja liebt beide Eltern, sie unternimmt nur unterschiedliche Sachen mit ihnen. Die Sicht des Kindes einnehmen kann helfen, die Eifersucht unter den Eltern zu lösen.

Letzte Änderung amDienstag, 22 Juli 2014 12:32
Ralf Ruhl

Ralf Ruhl arbeitet als selbstständiger Journalist und Redakteur. Er lebt mit seiner Familie in Göttingen. Seine Kinder haben die Pubertät hinter sich. Und er auch. Glaubt er...

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