Problematische Verhaltensweisen

Sexting - Gefährlicher Trend

Sexting - Gefährlicher Trend Foto: © Dan Race - Fotolia.com Sexting - Gefährlicher Trend

„Fast alle haben solche Bilder“, sagt die 14-jährige Jenni. Gemeinsam mit ihrer Freundin, der 15-jährigen Sarah (die beide eigentlich anders heißen) zeigt sie mir auf ihrem Smart-Phone Bilder verschiedener halbnackter und nackter Mädchen. Ich bin schockiert.

WhatsApp

Neben vergleichsweise harmlosen Bikinifotos, gibt es auch eindeutig pornographische Motive. Bei einigen Mädchen sieht man nur den Körper, bei anderen ist das Gesicht klar erkennbar. Gewollt? „Einige ja, die tun das ganz bewusst, um sich dadurch wichtig zu machen“, erklärt Jenni. Sarah zeigt mir das Bild eines Mädchens in aufreizender Pose. „Von der weiß ich, dass sie es ihrem Freund geschickt hat. Als Schluss war, hat er es über WhatsApp verbreitet.“ WhatsApp, die mobile Nachrichten-App, die es erlaubt, blitzschnell Nachrichten auszutauschen, oder beispielsweise ein Bild gleichzeitig an zig „Freunde“ zu senden. Der Vorteil: Im Gegensatz zu Sms ist das kostenlos. Jeder der ein Smart Phone hat, kann es nutzen.

Nacktbilder per Handy

Für das, was die beiden Schülerinnen mir bereitwillig gezeigt haben und was sie, wie sie beteuern, selbst nie tun würden, gibt es einen Namen: Sexting. Ein Trend, der gerade aus Amerika zu uns überschwappt. Sexting setzt sich aus den beiden Wörtern “Sex“ und “Texting“ zusammen und beschreibt das Produzieren und Versenden von Nackt-Bildern per Handy.

Im Gespräch mit Schulleitern verschiedener Schulen, wobei alle Schulformen vertreten waren, erfahre ich, dass man das Problem „Sexting“ kennt. Und:

„Das ist nicht ein Problem allein unserer Schule, das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, erklärt die Leiterin eines Gymnasiums. Wichtig sei es aufzuklären, aufmerksam und sensibel zu sein, betont der Leiter einer Hauptschule. Gerade sei die Schulordnung durch einen Passus ergänzt worden, der das Fotografieren und Filmen von Schülern und Lehrern auf dem Schulgelände untersagt, berichtet mir der Leiter einer Realschule. Aber auch verunglimpfende Bilder und Kommentare im privaten Bereich würden schulische Konsequenzen nach sich ziehen.

Doch das sind möglicherweise nicht die einzigen Folgen. Denn: Auch Jugendliche können sich strafbar machen, wenn sie Nacktbilder per Handy in Umlauf bringen.

Weitere Informationen:

Sehr interessante Aufklärungs- und Hilfeseite zum Thema Sexting – leider aus Östereich, daher nicht in Hochdeutsch.
www.projuventute.ch/sexting/landingpage.html

Die rechtliche Situation: § 184c
 Verbreitung, Erwerb und Besitz jugendpornographischer Schriften
dejure.org/gesetze/StGB/184c.html

Test für Jugendliche
Sexting - Kennst du die Konsequenzen?
rataufdraht.orf.at/?story=20771

Recht am eigenen Bild

Inwiefern wirkt das Recht am eigenen Bild bei Jugendlichen, wenn es durch ’Sexting’ missbraucht wurde?

Rechtsanwältin Dr. Larissa Barnstorf-Laumanns kennt die Konsequenzen: „Unter 14-jährige Jugendliche, die Nacktbilder per Handy oder anderweitig verbreiten, müssen keine rechtlichen Konsequenzen befürchten. Ältere hingegen schon. In strafrechtlicher und zivilrechtlicher Hinsicht. Das Strafmaß richtet sich nach dem begangenen Delikt. Wird ein Nacktbild, per Handy oder Computer, einer anderen Person veröffentlicht, kommen die Verletzung des Kunst- und Urheberrechts und des Rechts am eigenen Bild und eine Beleidigung in Frage. Je nachdem, wie das Bild ausgestaltet ist, kommt auch eine Verbreitung pornografischer Darbietungen in Betracht. Dieses Delikt sieht den Strafrahmen einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vor. Mit zivilrechtlicher Hilfe, also über das Amtsgericht, kann derjenige, der die Bilder verbreitet hat, außerdem auf Unterlassung verklagt werden, was mit erheblichen Anwalts- und Gerichtskosten verbunden sein kann.“

Wie man als Elternteil auf solche besonders sensiblen Themen reagiert, sei vom Alter, Geschlecht und Umfeld des Kindes abhängig, sagt Barbara Buchegger. Die Vorsitzende des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation hat sich ausführlich mit diesem Thema befasst. "Wichtig sei, auf die Konsequenzen hinzuweisen, die solche Bilder haben können, ohne die Kinder für die Bilder zu verurteilen: Müssen Kinder eine Abwehrhaltung einnehmen, können sie sich nicht mit den möglichen Konsequenzen beschäftigen.“

Bilder im Internet

Damit es gar nicht erst dazu komme, sei es wichtig, bereits in frühen Jahren mit den Kindern den Umgang mit Bildern im Internet zu thematisieren. Dies könne beispielsweise in Zusammenhang mit Bildern von Familienfeiern geschehen. So könnte es in der Familie üblich werden, dass Kinder gefragt werden, bevor sie von Verwandten (inkl. Eltern) fotografiert werden. Dabei müsse natürlich ein "Nein" akzeptiert werden. „Erleben Kinder in der Praxis, dass sie ein ,Recht am eigenen Bild’ haben und es tatsächlich funktioniert, ,Nein’ zu sagen, so werden sie dies auch später im Zusammenhang mit freizügigen Bildern besser können.“

Letzte Änderung amDienstag, 19 August 2014 19:29
Helga Wissing

Helga Wissing ist freie Journalistin und lebt mit ihren zwei Töchtern in einer Kleinstadt in Nordrhein Westfalen. Mit einer 16-Jährigen unter einem Dach weiß sie genau, wovon sie schreibt. Wechseljahre und Pubertät prallen aufeinander. Ihr Tipp: Ruhe bewahren und trotzdem lieb haben.

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