Mütter-Tagebücher

Das muss man wollen - oder der Tag, an dem mein Sohn schwitzte.

Es ist heiß. So etwa 32 Grad. Je nach Aufenthaltsort ist das sogar ziemlich heiß. Und wären wir gerade in einem Klassenzimmer oder in der Fußgängerzone, im Büro oder auf dem Fussballplatz dann würden wir alle ziemlich vor uns hin schwitzen und sicher ab und zu fluchen. Wir jedoch haben Glück, wir sind im Urlaub. Wir sind am Strand, das Meer ist keine 10 Meter entfernt, wir haben genug Trinkwasser, einen Sonnenschirm und Picknick in der Tasche.

Ich habe die Tauchermasken und Flossen und die Handtücher bis hier her getragen und zähle mich in diesem Moment zu den absolut glücklichen Menschen. Das Kind meiner Freundin und meine Jüngste springen bereits in die Fluten - doch was ist das? Mein Großer zieht kreuz-beleidigt einen Flunsch. Und was für einen. „Maaaaann, ist das heiß hier, können wir wieder gehen?“ mault es mich an. Ich glaub, ich hab mich verhört. „Geh doch ins Wasser!“, sage ich, etwas anderes fällt mir wirklich nicht ein und das ist, ganz klar, ein Fehler. Mein „in DIE Jahre gekommener“ Erstgeborener schaut mich völlig entgeistert an: „Ins Wasser????? Ich bin doch nicht verrückt! Dann komm ich raus und überall klebt Sand an mir .....!“ Ich schaue ihn ziemlich entgeistert an. Schmollend verzieht sich der vom Wasser angeekelte Teenie in den Schatten, holt das Handy raus (ein Glück gibt es Empfang, das wäre sonst die nächste Katastrophe) und tut in regelmäßigen Abständen unter zu Hilfenahme tiefer Seufzer sein Leid dem Strand kund. Ich atme tief durch und gehe baden. Das Wasser ist herrlich, die Kurzen haben sich ein Surfbrett organisiert, wackeln und springen darauf rum. Es wird viel gelacht, gespritzt und getaucht. Nach zweieinhalb Stunden dann der Aufbruch. „Endlich!“ ranzt mich mein schwitzender Ältester mit bitter-finsterer Miene an.

Nachtrag.

Ich hätte diesen ersten Nachmittag im Urlaub fast vergessen, hätte ich es mir nicht gleich an dem Abend aufgeschrieben. Denn erstaunlicher Weise hatte mein Sohn am nächsten Tag wohl die schlechte Laune im Schlafsack vergessen und war die restlichen Tage kaum noch aus dem Wasser zu bekommen. Uns allen fiel der Abschied schwer und er war es, der als Erster fragte, ob wir nächstes Jahr wieder herkommen. Wer hätte das gedacht ....

Und die Moral von der Geschicht?

Wird nix so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Oder auch: Cool bleiben. So manches verfliegt von alleine, wenn man nicht weiter darauf eingeht. Ist nur oft so schwer, nicht selbst auch die gute Laune zu verlieren.

Letzte Änderung amMontag, 01 Dezember 2014 21:33
Anna Gandow

Anna Gandow lebt mit ihrer Patchworkfamilie am Bodensee. Ihre Jungs aus erster Ehe stecken mitten in der Pubertaet und lassen nix aus - so wie es ihr manchmal scheint. Ihre kleine Tochter hat noch ein paar Jahre Zeit, bevor es los geht. Vermutlich wird es mit einem Mädchen ganz anders – das hört Anna zumindest im Moment, wenn sie sich mit ihren Freundinnen unterhält. Für pubertaet.de betreut sie die Rubrik "Trost & Mut" und füllt diese mit allerlei Briefen, Kolumnen und Links. "Es geht vorbei"  ist ihr Mantra, "Du bist nicht allein" ihre Botschaft. Und Unfug hatten ihre Kinder schon immer im (oder auf) dem Kopf …

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