Krankheit und Sucht

AD(H)S in der Pubertät

AD(H)S in der Pubertät AlexanderNovikov-fotolia.com AD(H)S in der Pubertät

Die Zahl der diagnostizierten Kinder und Jugendlichen mit AD(H)S steigt stetig. AD(H)S wächst sich nicht heraus – es wird erwachsen. Die Symptome der Aufmerksamkeits – Defizit – (Hyperaktivitäts) – Störung ändern sich oftmals mit Eintritt der Pubertät.

Die Aufmerksamkeits – Defizit – Hyperaktivitätsstörung – AD(H)S – ist keine Kinderkrankheit, sondern besteht oftmals bis ins hohe Erwachsenenalter weiter. Die in Frage kommenden Symptome dieser biochemischen – biophysikalischen Erkrankung können sich jedoch mit zunehmendem Alter ändern und somit das Erscheinungsbild und das innere Erleben verändern.

Kinder mit AD(H)S kommen oftmals später in die Pubertät, als andere Kinder. Dies liegt an der psychosozialen Reifungsverzögerung dieser Kinder. Erreichen sie die biologische und psychische Pubertät, können sich Symptomatiken allerdings gravierend verschlimmern. Die Jugendlichen weisen größere Schwierigkeiten auf, sich im Leben der „Pubertät“ zurecht zu finden, als andere Jugendliche. Die familiären „Kämpfe“ können für Eltern sehr anstrengend und schmerzhaft sein, da es oft scheint, dass diese Kinder völlig entgleiten.

Die Impulssteuerung dieser Jugendlichen scheint vollständig „außer Kraft“ gesetzt zu sein und es stehen oftmals tägliche Stimmungsschwankungen von „Himmel hoch jauchzend bis zu Tode betrübt“ auf der Tagesordnung. Diese Stimmungsschwankungen vollziehen sich oftmals ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund. Oftmals halten die Jugendlichen sich nicht an Regeln und ignorieren auch die „Sperrstunde“.

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Durch das vielfältig mangelnde Selbstwertgefühl äußert sich die Ablehnung der Umwelt samt aller Konventionen stärker als üblich. Nun stellt sich entweder eine totale „Null – Bock“ Mentalität ein, in der es keinerlei Interessen, Ziele oder Antriebe zu geben scheint oder die Jugendlichen werden von einer innerlichen Unruhe getrieben. Müssen die Jugendlichen in dieser Zeit einen Ausbildungsplatz finden oder eine Ausbildung anfangen, kann dies zu weiteren schweren Konflikten führen. Die Jugendlichen erwecken bei ihrem Gegenüber oft den Eindruck „muffig“, „schlecht gelaunt“ und „keinen Bock auf nichts zu haben“. Die meist noch vorherrschenden Konzentrations – und Aufmerksamkeitsschwächen machen den Eintritt in die Ausbildung oder die erfolgreiche Teilnahme an einer Ausbildung nicht einfacher.

Jugendliche mit AD(H)S weißen außerdem ein erhöhtes Suchtpotenzial auf, ebenso wie eine erhöhte Gefährdung, an Depressionen zu erkranken. Diese Jugendlichen fühlen, dass sie anders sind als andere und „kommen nicht dagegen an“. Sie belastet der häufige familiäre Streit ebenso, wie die Eltern, dennoch sind sie machtlos und hilflos. In dieser Phase suchen die Jugendlichen häufig Trost im Alkohol oder Drogen oder aber sie werden depressiv.

Schaut man hinter die „harte“ Fasade der Jugendlichen, erkennt man, dass sie sehr harmoniebedürftig sind. Ihre mangelnde Fähigkeit, Gefühle, Ansichten und Wünsche anderer zu erkennen zu akzeptieren, macht das Erreichen von Harmonie allerdings schwierig. Sie wünschen sich oftmals eine Partnerschaft, reagieren aber Über – Eifersüchtig und mit Wutausbrüchen sowie starker Stimmungslabilität. Dies macht eine Partnerschaft fast unmöglich und beide Partner, der Jugendliche mit AD(H)S, wie auch der nicht betroffene Partner leiden. Die Schwierigkeiten, das eigene Verhalten als Teil der Partnerproblematiken zu erkennen, erschwert die Paarsituation darüber hinaus.

Wichtig und hilfreich ist eine individuelle, auf die Betroffenen angepasste Betreuung und Beratung bereits vor der Pubertät. Können diese Jugendlichen bereits frühzeitig ihre Impulskontrolle, die Empathiefähigkeit und den Perspektivenwechsel erlernen und trainieren, gelingt der Übertritt in die Pubertät leichter.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass bereits Kinder mit AD(H)S Interessen und Hobbys pflegen und viele unterschiedliche Interessen austesten können. So kann die „Null – Bock“ Mentalität im Jugendalter minimiert werden.

Ein Coach, der über die Bedürfnisse von AD(H)S informiert ist, kann im Jugendalter im Bereich der Berufswahl hilfreich sein. Er kann die Jugendlichen schulen und trainieren, wie ein Bewerbungsgespräch geführt wird und wie der Jugendliche „empathiefähig“ wird.

Wichtig ist, dass Eltern die Interessen ihrer Kinder fördern, auch wenn sie nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Kinder und Jugendliche mit AD(H)S verfügen auf ihrem Interessensgebiet oftmals über „unschlagbares“ Wissen und können hier sehr wohl ihre Aufmerksamkeit fokussieren. Diese Interessen können optimal für eine Berufswahl und das Durchhalten der Ausbildung genutzt werden.

Mittlerweile haben es sich einige Betriebe zur Aufgabe gemacht, sich explizit um Jugendliche mit AD(H)S und / oder Autismus zu kümmern. Die Arbeitsämter können hier hilfreiche Ansprechpartner sein.

Egal, wie schwer und schmerzhaft der Ablösungsprozess und die Pubertät als solches ist – Eltern sollten immer mit einem offenen Ohr für ihre Kinder da sein. Hinter der „starken“ Fassade dieser Jugendlichen steckt doch meist ein verletzlicher und weicher Kern.

Letzte Änderung amFreitag, 08 Januar 2016 12:41

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