Krankheit und Sucht

Drogen – Risiko und Wirkung

Drogen – Risiko und Wirkung Foto: © Joshua Resnick - Fotolia.com Drogen – Risiko und Wirkung

Jugendliche sind besonders interessiert an Drogen. Aber warum? Was sind die Risiken an Drogen? Und was können Eltern zur Prävention tun?

Warum Jugendliche Drogen nehmen?

Die Pubertät ist eine Zeit des Drucks und der Unsicherheit. Nicht nur, dass die Hormone sprießen und die ersten Annäherungsversuche an das andere Geschlecht und die erste Liebe oft misslingen. Weitreichende Entscheidungen für das weitere Leben stehen an: Soll Abitur gemacht werden? Welche Leistungskurse sind zu belegen? Welche Lehre kann ich mit meinen Noten machen? Ganz nebenbei sollen und wollen sie auch noch selbstständig werden. Und wer bei den Mädels oder Jungs gut ankommen will, muss auch noch entsprechend aussehen, angesagte Klamotten tragen und vor allem gut drauf sein.

Ist es da ein Wunder, dass Auswege gesucht werden, Möglichkeiten, Druck abzulassen oder den dauernden Anforderungen auszuweichen?

Selbstverständlich führen auch Neugier, der Wunsch, zur Clique zu gehören oder die Lust am Risiko der Drogen zum Griff in die Tablettenschachtel oder den Tabaksbeutel. Für die meisten Jugendlichen endet diese Phase, wenn sie selbstständiger werden, die Ausbildung abgeschlossen haben, eine eigene Wohnung haben oder eine feste Partnerschaft eingehen. Schlichtweg, wenn sie erwachsen sind. Problematisch wird das, wenn sie vor Entwicklungsschritten und Selbstständigkeit scheuen, auf einer nicht dem Alter entsprechenden Stufe stehen bleiben. Dann kann der Drogenkonsum zur Gewohnheit werden – mit entsprechendem Gefahrenpotenzial.

Weitere Informationen

Bundesweite Sucht- und Drogen-Hotline
Tel. 01805 - 31 30 31 (0,14 €/Min. aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 €/Min)

Beratungsseite für drogenaffine Jugendliche:
www.drugcom.de

Woran merke ich, dass mein Kind vielleicht abhängig ist?

Zunächst einmal gar nicht. Denn die meisten Jugendlichen gehen dann ihren Eltern aus dem Weg. Diese sind verständnisvoll, wollen ihre Selbstständigkeit nicht unterbinden. Oder schrecken vor einer Auseinandersetzung zurück. Viele Jugendliche, die Drogen nehmen, ziehen sich zurück, vernachlässigen alte Freundschaften, geben Hobbys auf, gehen nicht mehr in ihren Sportverein etc. Damit entfernen sie sich auch von ihren Eltern, es wird schwieriger nachzuvollziehen, wo sie sich wann mit wem treffen.

Häufig haben sie keinen Bock mehr mit den Eltern zu reden, mauern, wenn sie gefragt werden, wie es in der Schule so ist oder was ihre Freunde machen. „Ich komme gar nicht mehr an ihn ran“ ist eine typische Aussage von Eltern, deren Kind an der Schwelle zur Drogenabhängigkeit steht. Manche Jugendliche werden deutlich aggressiver, wobei das Türenschlagen noch eine harmlose Form ist. Die Gruppe der Jugendlichen, die ebenfalls Drogen nehmen, wird immer wichtiger. Sie bietet Rückhalt, gerade auch gegen die „Zumutungen und Übergriffe“ der „Elternwelt“. Oft bilden sich Drogenrituale heraus, die Tabletten werden gemeinsam eingeworfen, der Joint zusammen geraucht.

Die Wirkung der Drogen

Drogen haben unterschiedliche Wirkung. Einige haben eine eher beruhigende Wirkung. Haschisch, Marihuana, Opium oder Heroin wirken eher beruhigend. Kokain, Amphetamine, Crystal Meth, Ecstasy oder Designer Drogen wirken eher aufputschend, leistungssteigernd und euphorisierend. Immer mehr Jugendliche nehmen verschiedene Drogen gleichzeitig oder nacheinander ein, entweder um die Wirkung zu steigern oder zu dämpfen.

Üblicherweise erleben die Konsumenten bereits kurz nach der Einnahme der Droge  die Wirkung. Eine deutliche Steigerung des Wohlgefühls stellt sich ein. Manchmal hält es nur 30 Minuten an, manchmal sogar mehrere Stunden. Gesteigerte Aufmerksamkeit, bessere Konzentration, keine Müdigkeit, höhere Leistungsfähigkeit, stärkerer Sexualtrieb, Euphorie – ja, das klappt mit Drogen. Sonst würden sie auch nicht so einen Reiz ausüben.

Abhängigkeit – gesundheitliche und psychische Folgen

Allerdings muss die Dosis immer erhöht werden. Denn der Körper gewöhnt sich schnell an die Zufuhr der Stimulanzien von außen. Sinkt der Drogenpegel, gibt es Entzugserscheinungen. Und die sind weit heftiger als bei einem Alkoholkater! Schnell können Hitze- und Kälteschübe abwechseln, Schweiß bricht aus, die Glieder zittern und wollen nicht mehr gehorchen, Angst und paranoide Vorstellungen bis hin zu wahnhaften Wahrnehmungen sind möglich.

Kokain, Heroin und andere „harte“ Drogen führen schnell zur Abhängigkeit, „weiche“ wie Haschisch und Marihuana erst über einen längeren Zeitraum. Und das führt zu erheblichen Risiken für die körperliche und geistige Gesundheit. Bei den illegalen Drogen kommen Risiken durch Verunreinigungen des „Stoffs“ und verschmutzte oder infizierte Nadeln hinzu. Hepatitis oder auch HIV-Viren können so übertragen werden.

Insbesondere der „Mix“ aus verschiedenen Drogen kann zu starken seelischen Problemen führen. Häufig nachgewiesen wurden Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis, Paranoia, Angstzustände, Depressionen, ebenso die „Schüttelkrankheit“ Parkinson.

Was Eltern tun können

Wenn Jugendliche Drogen als Problemlöser nutzen, ist das wirksamste Gegenmittel – Zeit und Aufmerksamkeit. Nicht Vorwürfe, Pillen ins Klo, Verbote. Sondern die Suche nach einem gemeinsamen Weg. Und der mag anfangs auch den Gebrauch von Drogen einschließen, wenn das die einzige Möglichkeit ist, mit dem Jugendlichen überhaupt ins Gespräch zu kommen. Verbote führen zu Konflikten, genau das ist es aber, wovor sie wahrscheinlich fliehen. Persönlichkeitsstärkung ist angesagt, das geht nur über Vertrauen, ein offenes Ohr, und, wie gesagt, Zeit.

Gemeinsame Regeln sind wichtig, sie können jedoch nur greifen, wenn die Eltern in dieser Hinsicht auch Vorbild sind und selbst einen umsichtigen Gebrauch von legalen Drogen  – Alkohol, Zigaretten, Medikamenten – machen. Was illegale Drogen angeht ist es wichtig, klar und deutlich die rechtlichen und gesundheitlichen Folgen darzulegen. Außerdem empfiehlt sich der gemeinsame Besuch einer Beratungsstelle. Allerdings sollte dabei nicht das Kind als „angeklagter“ Symptomträger im Mittelpunkt stehen, sondern die gemeinsame Suche nach einem Weg aus der Krise.

Letzte Änderung amDienstag, 22 Juli 2014 11:37
Ralf Ruhl

Ralf Ruhl arbeitet als selbstständiger Journalist und Redakteur. Er lebt mit seiner Familie in Göttingen. Seine Kinder haben die Pubertät hinter sich. Und er auch. Glaubt er...

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