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Surfen ist Alltag: Diese Online-Regeln sollten Eltern und Kinder beherrschen

Surfen ist Alltag: Diese Online-Regeln sollten Eltern und Kinder beherrschen Foto: © lassedesignen - Fotolia Surfen ist Alltag: Diese Online-Regeln sollten Eltern und Kinder beherrschen

Surfen, chatten, twittern, daddeln: Kinder kommen heutzutage oft von klein auf in Kontakt mit den Weiten des World Wide Web. Das Umherstreunen in sozialen Netzwerken, Chatforen und Online-Spielwelten ist schon lange keine Zukunftsmusik mehr. Doch genau wie in der „Offline-Welt“ braucht es auch für die virtuelle Welt Werte und Normen. Wir haben die wichtigsten Regeln für einen sicheren und verantwortungsbewussten Umgang im Netz zusammengestellt.

Das Internet – die vermeintliche Wundertüte

Für junge Heranwachsende hält die Online-Welt zahlreiche Versuchungen bereit. Referate und Hausaufgaben sind beispielsweise schnell mit einem Wikipedia-Artikel unterfüttert. Mittendrin locken dann oft ein lustiges Quiz oder ein Spiel als Ablenkung. In Chatrooms und über Dienste wie Whatsapp lässt es sich schließlich leicht mit Gleichaltrigen über Gott und die Welt austauschen – und das möglichst zu jeder Zeit, um nichts „Wichtiges“ zu verpassen. Besonders Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter versprechen „virtuelle Pausenhöfe“, auf denen sich die Jugendlichen nach der Schule „treffen“ und den neuesten Klatsch in Erfahrung bringen können.

Bei ungeregelter Internetnutzung müssen nicht immer gleich drastische Einzelrisiken, wie etwa Cyber-Mobbing, Abo-Fallen oder Pornografie, drohen. Vielmehr laufen die Kids ganz allgemein Gefahr, Anreize in der realen Welt aus den Augen zu verlieren und etwa ein anonymes, virtuelles Chatgespräch einem persönlichen Treffen mit Freunden auf dem Bolzplatz vorzuziehen. Einer solchen Abkapselung und Flucht in die Onlinewelt sollte daher von Anfang an vorgebeugt werden.

Grundregeln: Erste Schritte am Familienrechner und feste Nutzungszeiten

Um zu vermeiden, dass für deinen Sprössling die Grenzen zwischen realer und Online-Welt verschwimmen, sollte er zunächst behutsam an das Thema herangeführt werden.

Ein PC hat im Kinderzimmer nichts zu suchen. Zum Einstieg – das heißt etwa bis zum 13. Lebensjahr – genügt auch ein eigener Benutzer-Account auf dem Familienrechner. Wenn dieser im Wohnzimmer steht, kann ab und zu ein Auge auf den Nachwuchs geworfen werden – auch wenn das manchmal bedeutet, kreischende Kinder in Kauf nehmen muss, die sich am Wochenende bei einem Computerspiel vergnügen.

Weitere Informationen findest du auf den folgenden Seiten:

www.klicksafe.de/
www.jugendschutz.net/
www.inhope.org
www.naiin.org/de

Endlosem Surfen und Zocken sollte in jedem Fall von Beginn an ein Riegel vorgeschoben werden. Dazu ist es sinnvoll, feste Zeiten zu vereinbaren, in denen Computer und Internet genutzt werden können. Für Kinder bis 10 Jahre ist rund eine halbe Stunde täglich angemessen. Bei Kindern im Alter von 11 - 13 Jahren kann die Nutzungsdauer auf 60 Minuten pro Tag verdoppelt werden. Für Heranwachsende ab 14 Jahren bietet es sich an, eine feste Stundenanzahl pro Woche zu vereinbaren, die sich der Teenager frei einteilen kann – auf diese Weise wird zugleich das Haushalten mit einem Budget geübt. Natürlich kommt es auch darauf an, was dein Nachwuchs online macht. Wenn dein Kind zum Beispiel nach Vokabeln sucht oder sich mit einer eigenen Kurzgeschichte, einem Gedicht oder einem Plakatentwurf kreativ verwirklichen möchte, könnte natürlich auch eine Extra-Zeit eingeräumt werden.

Um Frustmomente und abruptes Steckerziehen zu vermeiden, erinnerst du dein Kind am besten kurz vor Ablauf seines jeweiligen Zeitbudgets daran, allmählich die Online-Aktivität zu beenden. Extrem frustrierend ist es nämlich nicht nur für die Heranwachsenden, wenn das Spiel mitten in der Handlung oder das Chatgespräch mitten im Satz abgebrochen werden muss.

10 Regeln für die Onlinenutzung

Wenn der grundsätzliche Nutzungsrahmen geklärt ist, können die folgenden Absprachen dir und deinem Kind beim Surfen helfen:

1Bescheid sagen! Dein Kind darf nicht ungefragt ins Internet. Es muss sich bei dir für jede Sitzung an- und abmelden. Wenn dein Kind in der Anfangszeit am Familienrechner hockt, kannst du ohnehin genauer auf seinen Onlinekonsum Acht geben. Hier verwaltest du das Profil. Beispielsweise über Filtereinstellungen bei der Websuche kannst du dein Kind vor aufdringlichen Pop-Ups und jugendgefährdenden Seiten schützen. Außerdem kannst du eine sogenannte Blacklist erstellen, die bestimmte Inhalte sperrt.

2 Neue Seiten gemeinsam entdecken! Für die Nutzung werden gemeinsam Internetseiten gelistet, auf denen sich dein Kind aufhalten kann. Neue Angebote werden ebenso nur zusammen mit dir angesehen und besprochen. Dazu gehört, dass du selbst up to date bleibst, um deinem Kind interessante Seiten zeigen zu können – ansonsten wirkst du unglaubwürdig. Bleibe auch interessiert an sozialen Netzwerken und anderen Themen, die dein Kind beschäftigen. Durchstöbere z. B. gemeinsam mit deinem Nachwuchs die vielen Einstellungsmöglichkeiten auf Facebook: Durch korrektes Häkchensetzen lässt sich etwa vermeiden, dass eine Privatparty plötzlich zu einer öffentlichen wird.  

3 Verdächtiges melden! Kläre dein Kind über Risiken auf und schaffe vor allem Vertrauen. Es muss dich immer fragen können, wenn ihm etwas merkwürdig vorkommt. Auch hierzu gehört, dass du dich selbst auf dem Laufenden hältst. Diskutiere mit deinem Kind kritische Themen wie Pornografie, Pädophilie oder Gewaltpropaganda. Dadurch kann es lernen, mit unerwünschten Inhalten umzugehen. Erste Hilfe bietet die Tastenkombination Strg+W: Damit lässt sich bei den meisten Browsern das Fenster sofort schließen. Jugendgefährdende Seiten kannst du bei Institutionen melden, die sich speziell um Online-Jugendschutz kümmern (Beispiele sind www.jugendschutz.net, www.naiin.org oder www.inhope.org).

4 Persönliche Daten sind Geheimsache! Eines der wichtigsten Themen bei der Medienerziehung ist die Sensibilisierung für Privatsphäre. Der eigene Name, die Anschrift oder die Telefonnummer werden nicht ins Internet gestellt. Das kann aber durchaus schwierig sein: Beispielsweise bei der Anmeldung bei sozialen Netzwerken, E-Mail-Anbietern oder Online-Communitys wird die Angabe bestimmter persönlicher Daten gefordert. Der Kompromiss kann hier lauten: Persönliche Daten werden nur mit deiner Zustimmung weitergegeben. Du solltest allerdings wissen, dass die meisten Anbieter die Nutzerdaten an Werbeunternehmen weiterverkaufen. Das kann dazu führen, dass dein Kind mit Newslettern und Spam-Mails überladen wird.

5 Keine Nacktaufnahmen! Zur Privatsphäre gehört besonders die Intimsphäre. Wenn Teenager anzügliche Fotos von sich machen und dem Freund oder der Freundin schicken, könnte das eigentlich noch harmlos sein. Wenn diese Aufnahmen allerdings in die falschen Hände geraten und im Internet landen, wird es kritisch. Das eigene Kind kann dann schnell zur Zielscheibe von Cyber-Mobbing werden. Unter der Maske pseudonymer Accounts fallen Mobbing-Angriffe dann ungeahnt aggressiv und verletzend aus. Im schlimmsten Fall werden sogar Pädophile auf die Bilder aufmerksam. Eltern sollten für solche Fälle entsprechende PIN-Codes und Account-Passwörter kennen – nicht um zu spionieren, sondern um sich im Notfall einmischen und kümmern zu können.

6 Misstrauen gegenüber Unbekannten! Grundsätzlich sind Unbekannte – wie im wahren Leben auch – Fremde. Fremden Nutzern in Chatforen und sozialen Netzwerken sollte man also nicht vertrauensselig begegnen. Spätestens wenn das anonyme Gegenüber nach persönlichen Daten oder Fotos fragt, müssen die Alarmglocken klingeln. Pädophilie oder Gewaltverherrlichung können am anderen Ende der Leitung lauern. Auch Schadsoftware kann sich beispielsweise hinter einer unbekannten E-Mail-Adresse verbergen. Durch bloßes Öffnen der Mail kann sich die sogenannte „Malware“ dann auf dem heimischen PC einnisten.

7 Auf Abzocke achten! Das Internet steckt voller Abo- und Kostenfallen. Vermeintliche Gratis-Apps oder Browser-Games gaukeln eine kostenfreie Nutzung vor. In Wahrheit steckt dahinter eine akute Gefahr für den Geldbeutel. Damit sich beispielsweise die Spielfigur in einem Onlinerollenspiel verbessert, muss virtuelle Ausrüstung für echtes Geld gekauft werden. Auch Gratis-Abos auf Webseiten erweisen sich bei einem Blick ins Kleingedruckte als wahre Geldschlucker. Bei manchen Smartphone-Apps genügt sogar oft ein einziger versehentlicher Fingertipp, um in die Abo-Falle zu tappen. Shopping-Touren sollten daher grundsätzlich verboten oder nur unter deiner Aufsicht erlaubt sein. Kläre deinen Sprössling über zahlungspflichtige Angebote auf und sperre zur Sicherheit alle entsprechenden Dienstleistungen in seinem Handyvertrag. Die Sperrung erreichst du meistens über den Kundenservice deines entsprechenden Vertragsanbieters.

8 Keine illegalen Downloads! Kläre über Rechtsräume im Internet auf. Jugendliche liegen oft dem Irrglauben auf, das Herunterladen von Filmen oder Musik sei komplett legal. Illegale Downloads, die Urheberrechte verletzen, können deinen Sprössling allerdings schnell ins Visier von Abmahnanwälten bringen. Legale Lösungen bieten da kostenlose Webdienste wie zum Beispiel „YouTube MP3“: Tonspuren von YouTube-Videos werden darüber legal in Musikdateien umgewandelt.

9 Der Rechner muss geschützt sein! Bevor sich dein Kind ins Internet einloggt, sollte sichergestellt sein, dass die aktuellste Schutzsoftware installiert ist. Erkläre deinem Kind, wie etwa ein Virenschutzprogramm funktioniert. Eine regelmäßige Überprüfung des Rechners durch einen entsprechenden Suchlauf ist ebenfalls sinnvoll. Auch die Webcam sollte bei Nichtbenutzung abgeklebt werden, da Hacker darüber sonst einen Blick ins Wohn- oder Kinderzimmer werfen können.

10 Eltern müssen gute Vorbilder abgeben! Diese Regel richtet sich schließlich besonders an dich. Up to date zu bleiben ist wichtig, um deinem Kind mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Noch wichtiger ist es allerdings, dass dein eigenes Internetverhalten nicht von deinen Regelvorgaben abweicht. Wenn du zum Beispiel ständig private Fotos und andere persönliche Informationen ins Internet stellst, wirst du deinen Nachwuchs nur schwer davon überzeugen können, zurückhaltend damit umzugehen.

Fazit: Wenn du zusammen mit deinem Kind entsprechende Absprachen triffst, steht einer regelmäßigen und zeitlich begrenzten Internetnutzung nichts im Wege. Wichtig ist, dass der Konsum nicht überhand nimmt, du Vertrauen aufbaust und ein gutes Vorbild bist.

Letzte Änderung amFreitag, 12 Dezember 2014 15:59
Joschka Riedel

Joschka Riedel schreibt als freier Journalist. Über seine eigene Pubertät kann der studierte Geschichts- und Religionswissenschaftler rückblickend nur schmunzeln. Als Mitglied einer Großfamilie hat er es noch immer regelmäßig mit Pubertierenden zu tun.

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