Familie & Partnerschaft

Zusammenleben oder Hotel Mama? – Hausarbeit in der Pubertät

Zusammenleben oder Hotel Mama? – Hausarbeit in der Pubertät © Ideenkoch - Fotolia.com Zusammenleben oder Hotel Mama? – Hausarbeit in der Pubertät

Um durch das Zimmer zu kommen, bräuchte es einen Bulldozer. Anstatt die Klamottenberge Richtung Wäschekorb zu befördern, ordert das Töchterlein „was Neues zum Anziehen!“ Der Kühlschrank fungiert wie im Hotel als Mini-Bar – täglich frisch auffüllen, bitte. Nur: Pubertät ist kein Urlaub und auch keine Krankheit. Bei der Hausarbeit zu helfen, sollte einfach dazu gehören.

„Kinderarbeit ist verboten!“ – Das Argument der 14-Jährigen kommt mit einem Grinsen, kann aber umgehend entkräftet werden: Das Jugendarbeitsschutzgesetz, das die Kinderarbeit verbietet, gilt ausdrücklich nicht „für die Beschäftigung durch die Personensorgeberechtigten im Familienhaushalt“.

Au Backe: Mithelfen im “Hotel Mama“ ist Gesetz

Es kommt noch dicker für den Nachwuchs: Das Bürgerliche Gesetzbuch sieht sogar vor, dass auch Heranwachsende zur Hausarbeit beitragen müssen. „Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten“, heißt es in § 1619 BGB.

Natürlich sollte dies nicht dazu führen, dass Sohn oder Tochter per Mahnschreiben über den Anwalt zur Hausarbeit verdonnert werden. Auch die antiquierte Floskel „Solange du deine Füße unter meinen Tisch streckst ...“ hat sich nicht wirklich bewährt. Sie wurde längst zum Spitzenreiter der „dümmsten Elternsprüche“ erkoren. Zudem verweist das Gesetz darauf, dass Kräfte und Lebenslage des Kindes entscheidend dafür sind, wie viel es bei der Hausarbeit mithelfen kann und sollte. Mit anderen Worten: Sich kurz vor dem Abi am Großputz beteiligen zu müssen wäre genauso unangemessen wie die noch Heranwachsenden zentnerweise Getränkekisten schleppen zu lassen.

Belohnung und Humor statt Druck

Druckmittel helfen in der Pubertät selten weiter sondern tragen eher zur Verschärfung der Situation bei. Zumal es oft gar nicht die viel zitierte „Null Bock-Haltung“ ist, die Zimmer überquellen lässt, sondern das nicht vorhandene Zeitgefühl: Aufräumen – mach' ich gleich noch ... Und schon ist die Nacht hereingebrochen. „Das merken die gar nicht“, erklärte der Hamburger Kinder- und Jugendpsychologe Michael Schulte-Markwort gegenüber dem Magazin stern.de. Ursache ist demnach die hormonell bedingte Neuvernetzung im Gehirn, die auch dazu führt, dass man in der Pubertät seine Gefühle nicht so steuern kann wie ein Erwachsener.

Der Psychologen-Kollege Michael Thiel rät in seinen „Überlebenstechniken für geplagte Eltern“ unter anderem zu verhandeln, nach dem Motto: zwei Wochen Geschirrspüler ausräumen gegen eine neue Jeans. Eltern, die den desolaten Zustand des Kinderzimmers nicht mehr ertragen können, sollten auch mal „mutig“ sein und zum Beispiel die Tür mit rotem Polizeiband absperren wie einen Tatort. „Das nimmt Schärfe aus der Situation“, erklärt der Experte, „aber die Botschaft ist klar: Zimmer aufräumen!“

Letzte Änderung amDienstag, 14 Oktober 2014 14:05
Christine Lendt

Christine Lendt arbeitet als Journalistin und Buchautorin in Hamburg. Wenn sie ihre Reiseführer und Erlebnisbücher verfasst, hat sie das im Blick, was Familien besonders viel Spaß macht. Auch zahlreiche Fachartikel entstammen ihrer Tastatur, unter anderem zum Themenfeld Schule, Ausbildung und Studium. Bild: Simone Friese

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